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Wenn der Tod zum Alltag wird

Schüler des August-Hermann-Francke-Gymnasium Detmold besichtigen die Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald

Für die die rund 100 Schülerinnen und Schüler der Q2-Stufe am August-Hermann-Francke-Gymnasium Detmold fand ein besonderer Teil des Geschichtsunterrichts beim Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar statt. Auf Initiative der Schüler organisierten die Geschichtslehrer den Besuch der Mahn- und Gedenkstätte auf dem Ettersberg, um sich vor Ort selbst einen Eindruck über die menschenverachtenden Gräueltaten des NS-Regimes zu verschaffen.

 

Weimar, eine Stadt die lange Zeit hauptsächlich für ihre Kultur bekannt ist, konnten die Schüler nun von einer ganz anderen Perspektive aus betrachten. Das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald zeugt von dem grausamsten Kapitel der Geschichte Deutschlands, der Zeit des Nationalsozialismus. Obwohl die Schüler im Unterricht schon Einblicke in die Geschehnisse in den KZs bekommen hatten, wurde ihnen hier sehr emotional bewusst, dass es etwas anderes ist, einen solchen Ort selbst zu begehen. Den Ort, wo die Häftlinge aber auch die SS-Mitglieder lebten, direkt vor Augen zu haben, hinterlässt einen wesentlich tieferen und währenden Eindruck, als der, den Bilder und gedruckte Texte zu vermitteln im Stande sind. Den Schülern wurde bei der Führung erklärt, dass das Lager angelegt war, um die Häftlinge zu demütigen, zu misshandeln und zu töten, während die SS-Männer und ihre Familien mit genügend Freizeitaktivitäten und Erholungsmöglichkeiten versorgt sein sollten. Sie sollten sich von ihrer menschenverachtenden Arbeit bestmöglich erholen können. So gab es vor Ort einen Zoo, in dem die Tiere, laut ausdrücklichem Befehl des Lagerkommandanten, pfleglich und tiergerecht behandelt werden sollten, während in Sichtweite der Gehege tausende Menschen zu Tode geschunden wurden.

 

„Was mich am meisten beeindruckt hat“, so eine Schülerin in der Nachbesprechung, „war die Aussage eines Häftlings, dass ein sensibler Mithäftling durch sein Klagen über den schrecklichen Anblick der vielen Leichen ihn dort erst darauf aufmerksam gemacht habe, dass das, was dort passierte, wirklich etwas Schreckliches sei. Der Tod war für ihn so sehr ein Teil des Alltags geworden, dass er selbst das kaum noch bemerkt habe.“

Keiner blieb gleichgültig beim Besuch des Krematoriums und des sogenannten Pferdestalls, in dem man sowjetische Kriegsgefangene mit Genickschuss systematisch ermordete. Die Atmosphäre in der „Pathologie“, im Gebäudekomplex des Krematoriums, war still und bedrückend, immer mit den Gedanken im Kopf, wie grade einmal vor 70 Jahren dort Leichenberge aus echten Menschen lagen, die ausgebeutet, gequält und dann anschließend verbrannt wurden. „Es kommt einem ungerecht vor, dass diesen Menschen ein würdiges Leben verwehrt wurde, während wir unter friedlichen und glücklichen Umständen aufwachsen dürfen.“, so ein Schüler.

 

Die Schülerinnen und Schüler berichteten anschließend von ihrer Betroffenheit und sprachen sich dafür aus, diese Exkursion fest in das Schulprofil einzubinden. Diese Exkursion habe bei ihnen das erreicht, was der Geschichtsunterricht nicht könne: „Ich fühlte mich von dem Schicksal der verfolgten Minderheiten im "3. Reich" direkt berührt und betroffen.“