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Ulrich Parzany zu Gast am AHF-Gymnasium in Detmold

Der bekannte deutsche Evangelist Ulrich Parzany kam auf Einladung des Leistungskurses Evangelische Religionslehre in den Unterricht und referierte über "Biblische Hermeneutik".

 

Hermeneutik ist die Kunst des Dolmetschens. Man braucht sie, um Texte richtig verstehen zu können. Denn jeder, der einen Text – besonders aus einer anderen Kultur und Zeit – liest, steht in Gefahr, statt das vorliegende Wort auszulegen, die eigenen Vorstellungen und Erfahrungen in dieses hineinzulesen. Also muss man ernsthaft fragen: Was hat der Autor ursprünglich gemeint und was kann er mir heute sagen? Demnach ist die Hermeneutik eine seriöse und wichtige Kunst.

Doch sie hat auch ihre Haken und Fallen. Das fängt schon beim Namen des Hermes an. Hermes war in der griechischen Mythologie der Götterbote. Er überbrachte u.a. Botschaften der Götter an die Menschen. Nun ja. Aber Hermes war nicht so harmlos wie es den Anschein hat. Er betätigte sich auch als Patron der Diebe und Wegelagerer. Bei ihm musste man aufpassen, dass einem nichts geklaut wurde. Dafür brauchen wir eine biblische Hermeneutik, d.h. eine aus der Bibel selbst abgeleitete Kunst des Verstehens. Zu der gehört neben dem gründlichen Studium des Einzeltextes eine solide Kenntnis der Heilsgeschichte und des großen Zusammenhangs der Heiligen Schrift. Denn erst in der biblischen Ganzheit lassen sich die einzelnen Schriftabschnitte sachgemäß zuordnen und verstehen. Die „dunklen Stellen“, die schwer zugänglich sind, können und müssen durch die Texte, die eindeutig klar sind, verstanden werden.

 

Dabei sind zwei weitere hermeneutische Grundsätze zu bedenken:

Erstens „sola scriptura“ (allein die Schrift). Das war Martin Luther angesichts der vielen kirchlichen Traditionen, Heiligenlegenden usw., die die Schrift überwuchert hatten, ein großes Ärgernis. Dadurch war das Evangelium mehr und mehr verdunkelt worden. Damit sind wir bereits beim zweiten Grundsatz: „Tota scriptura“ (die ganze Schrift). Die Bibel ist ein von Gott geschaffener Organismus, in dem alles mit allem in lebendiger Weise zusammenhängt. Dabei gefällt es Gott, Menschen in einer bestimmten Lebensphase den einen oder anderen Bibeltext besonders wichtig zu machen. Aber die Schrift als Ganze ist größer und bedeutsamer als unsere aktuellen Erkenntnisse. Deshalb sind wir auch an das gesamte Offenbarungswort von 1. Mose 1 bis Offenbarung 22 gewiesen.

 

(Weitere Ausführungen dazu siehe www.netzwerkbibelundbekenntnis.de)