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Nachruf: Abschiednehmen von Kristina Frank

Abschied nehmen ist in der Schule eigentlich etwas ganz normales. Abschied am Ende eines Schultages, Abschied vor den Ferien, Abschied, wenn ein Schüler die Schule wechselt, Abschied, wenn Schüler nach bestandenem Abitur die Schule verlassen.

Allen diesen Abschieden ist gemeinsam, dass es ein Weiter gibt, ein Wiedersehen am nächsten Tag, nach den Ferien und selbst die ehemaligen Schüler kann man immer mal wieder im außerschulischen Kontext bestaunen. Aber wie verabschiedet man sich, wenn der Tod eine gerade einmal 40-jährige engagierte Lehrerin aus dem Leben reißt, wenn die menschliche Existenz auf Erden endet? Wie nimmt man Abschied, wenn jemand stirbt? Diese Frage mussten sich im Besonderen die Schüler und Lehrer der Gymnasiums stellen, als bekannt wurde, dass die Lehrerin und Kollegin Kristina Frank am Freitag, den 04.05.18 nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben war.

In einem ersten Schritt gehörten zum Abschied sicherlich Tränen und ein entsetztes, schmerzvolles Innehalten. Besonders betroffen war dabei Kristinas Klasse 5, die mit ihrer Klassenlehrerin eine besondere Bezugsperson im Schulleben verloren hat. Aber auch viele andere Schüler hielten schmerzhaft inne. Schülerinnen und Schüler der Schülervertretung, in welcher sich Kristina engagieret, Schüler, der Because-We-Can-AG, die gemeinsam mit Kristina einen Kampf gegen Ungerechtigkeit und Armut aufgenommen haben, aber auch Schüler, die von Kristina in und um den Unterricht geprägt und begleitet wurden. Auch im Kollegium breitete sich am Montag eine trauernde Stille aus und Kristinas Platz im Lehrerzimmer wurde mit Kerzen und Blumen zu einem Anlaufpunkt der Trauer. Bereits seit 2003 war sie fester Bestandteil des Kollegiums und unterrichte sie mit großer Hingabe die Fächer Geschichte und Englisch. Ihr Herzensanliegen waren im Besonderen die Kinder in Ruanda, deren durch Armut und fehlende Bildung bedingte Perspektivlosigkeit sie tief bewegten. So setze sie sich gemeinsam mit Schülern, Eltern, Kollegen und anderen Unterstützern für den Bau einer Schule in Ruanda und die Entwicklung eines Essensprogramms für die afrikanischen Kinder ein. Finanzielle Mittel kamen dabei von vielen engagierten Spendern und wurden mit Aktionen wie einem Flohmarkt oder regelmäßig stattfindenden Sponsorenläufen bereitgestellt.

Aber nach dem Innehalten und Entsetzen war schnell klar, dass es auch einen Rückblick, ein gemeinsames Erinnern und sogar um eine Dankbarkeit geben muss, dass wir Kristina kennen lernen konnten. Zu diesem Zweck wurde am Mittwoch ein gemeinsamer Trauergottesdienst veranstaltet, an welchem jeder etwas beitragen konnte, um Abschied zu nehmen. Dabei war das Programm ganz bunt zusammengestellt. Die Schüler der Schulband gestalteten das Rahmenprogramm mit Liedern, von denen sie wussten, dass sie Kristina wichtig waren oder zu Kristina und ihrer Lebenseinstellung gepasst haben. Auch die Schüler ihrer 5. Klasse nahmen mit dem Lied „Komm zu Jesus“ Abschied und rührten die Anwesenden besonders mit der Zeile „flieg heim zu Jesus“ zu Tränen. Der Schulleiter, Andreas Herm betonte in seiner Rede, dass für die Schule Kristinas Einstellung eine unerwartet große Gebetserhörung war. So war Kristina aufgrund des Lehrermangels im Fach Englisch ein willkommener Zuwachs, erwies sich aber auch darüber hinaus, besonders in ihrem Engagement und ihrem Glauben als ein besonderer Segen für die Schulgemeinschaft. Nun gehe es darum, so Herm, dieses Engagement weiterzuführen, ihre Projekte, die ihr immer auch Herzensanliegen waren, fortzuführen.

 

Neben dem Erinnern und Trauern zog ich dabei ein Gedanke durch die gesamte Veranstaltung – ein Gedanke, den Kristina selbst in einer ähnlichen Trauersituation einmal ausgesprochen hat: Gott ist gut und er macht keine Fehler. Dieses Vertrauen in den Plan und die Liebe Gottes, einer Liebe für alle Anwesenden wie auch für Kristina, machte es möglich, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Eine Zukunft, in welcher durch Kristinas Tod zwar eine Lücke bleibt, aber in der sich jeder dennoch von Gott getragen weiß. Und so wurde ein hoffnungsvolles Abschiednehmen möglich - ein Abschied der, wenn auch heute schmerzhaft, nicht für immer ist; ein Abschied mit einem Weiter und ein Wiedersehen.