Tageslosung
So brachten die Israeliten, Männer und Frauen, die ihr Herz dazu trieb, freiwillige Gaben zu allem Werk, das der HERR durch Mose geboten hatte.
2.Mose 35,29
Mai - 2012
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„Ich bin noch nie zu einem Geburtstag eingeladen worden…“(Phan)

Theaterpädagogen des PISAK -Theaters aus Bielefeld gastierten im Klassenzimmer des AHF - Gymnasiums mit ihrem Stück „Schattenkrieger“ – ein Theaterstück über die Schwierigkeiten der Selbstfindung und den Mut, zu eigenen Schwächen und Stärken zu stehen.

Am 23.11.2010 erlebten die beiden Gymnasialklassen 5f und 5g einen Schultag der besonderen Art: Theater im Klassenzimmer stand auf dem Stundenplan, ohne dass die Schüler etwas davon wussten, während die Klassenlehrerinnen eingeweiht waren.


Und so spielte sich alles ab:

Frau Rochow (Klassenlehrerin der 5f) und Frau Lange (Klassenlehrerin der 5g) beginnen wie immer ihren Unterricht, als plötzlich Phan (in Anlehnung an Phantasie) atemlos hereinplatzt und behauptet, sie habe etwas vergessen, und unter Tischen und Stühlen zu suchen beginnt. Die Schüler sind zunächst irritiert, aber als Phan die Schuhe einer Schülerin bewundert und zugibt, sich vor jemandem verstecken zu wollen („Ich habe Angst.“), ergreifen die Schüler Partei für Phan und versprechen ihr, sie nicht zu verraten. Dann stürzt Mob (in Anlehnung an Mobbing) herein. Angeberisch und mit großer Geste zeigt er der Klasse eine fantasievolle Mütze, die er zuvor Phan geklaut hatte, und fordert die Schüler auf, ihr Versteck preis zu geben. „Seht euch doch mal diese blöde Mütze an. Wer die trägt, muss doch wohl genau so sein. Los, wo hat sie sich versteckt? Raus mit der Sprache!“ Die Schüler befinden sich das erste Mal in einer Konfliktsituation: Phan verraten, aber die Wahrheit sagen, oder „lügen“, aber Phan vor dem wütenden und drohenden Mob schützen? Es beginnt ein Spiel zwischen Drohen und Zurückweichen, zwischen Angstmachen und Angsthaben. Mob denkt sich immer neue Demütigungen aus. „Schuhe putzen – los!“ Doch auch Phan zeigt Mut und bietet Mob mithilfe ihres tapferen Plüschhasens Paroli. Es kommt nach und nach heraus, dass auch Mob so seine Ängste hat – als cooler Junge…

Schnell waren die Schüler mit im Spiel. Jetzt waren sie nicht mehr Zuschauer, sondern selbst Akteure. Dem Beobachter wurde sofort klar, dass sich die Schüler mit den beiden Figuren identifizierten. Sie wurden zu Entscheidungen herausgefordert und mussten sich argumentativ mit Stärken und Schwächen auseinandersetzen. Die Schüler konnten – zunächst in diesem Als-Ob-Spiel – nachempfinden, wie es ist, wegen vermeintlicher Schwächen drangsaliert und ausgegrenzt zu werden. Der Konflikt zwischen Phan und Mob war jetzt auch zu ihrem eigenen geworden – sie mussten Stellung beziehen.
In eindrucksvoll gespielten Rückblenden (Dirk Wittke als Mob und Ines Bollmeyer als Phan) erlebten die Schüler mit, wie alles angefangen hatte: das mit der Angst, das Gefühl keine Freunde zu haben und noch nie – als Außenseiter - zu einer Geburtstagsfeier eingeladen worden zu sein.
In der Nachbesprechung im großen Stuhlkreis wurde deutlich, dass die Schüler sehr bewusst Parallelen zu ihrer eigenen Lebens- und Schulwirklichkeit zogen und offen über eigene Ängste, Stärken und Schwächen oder über die Frage, ob Jungen weinen dürfen, diskutieren konnten. Die angenehme, weil angstfreie Atmosphäre, die beide Theaterpädagogen in der Nachbesprechungsrunde (auch Lehrer saßen gleichberechtigt mit im Kreis) herstellten, trug zu einem authentischen Austausch u.a. über das Bedürfnis nach Akzeptanz in einer Gruppe bei. So bekannten sich Schüler dazu, ähnlich wie Mob schon einmal beim Mobbing gegenüber schwächeren Schülern mitgemacht zu haben. Und dies – wie Mob es am Schluss gegenüber Phan bekennt – aus Angst, selbst ausgegrenzt und drangsaliert und somit zum Opfer zu werden. Es bedarf eben einer guten Portion Mut NEIN zu sagen. Die Erkenntnis, dass dieser Mut gut tut, ist ein für alle Schüler bedeutsames Lernziel, das nicht verordnet, sondern nur im gemeinsamen Handeln erworben werden kann. Theaterspielen trägt dazu bei, sich in andere hineinzuversetzen, eigenes Handeln zu hinterfragen sowie Handlungsfantasie und Handlungsalternativen zu entwickeln und auszuprobieren.
Diese theaterpädagogische Aktion soll fester Bestandteil unseres Schulkonzepts für die Erprobungsstufe werden.

Ihr
Ulrich Niebuhr